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Sonntag, 17. September 2017

DSEI 2017 - im britischen Beritt

London (ww) Die DSEI 2017 liegt nun wenige Tage hinter uns. Der S&T-Blog war natürlich auf Spähtrupp. In aller Kürze ein paar Hingucker.
Das Challenger Live Extension Project sowie das "Mechanised Infantry Vehicle" sind zwei Großvorhaben der British Army. Nicht zufällig fanden sich deshalb am Rheinmetall-Stand der Kampfpanzer-Technologiedemonstrator MBT ADT und ein Boxer in britischen Farben.
MBT ADT und Boxer im Union Jack (Foto: JPW)

Auch beim industriellen Partner KMW am KNDS-Stand war neben dem französischen VBCI der Boxer zu sehen - mit abgesetztem "PuBo"-Modul (Puma-Turm auf Boxer).
PuBo-Boxer am KNDS-Stand (Foto: JPW)
Lockheed Martin adressierte seine Bereitschaft, den Schützenpanzer Warrior zu modernisieren.

Freitag, 15. September 2017

Großauftrag von Liebherr: Rheinmetall liefert geschützte Kabinen für neue Kranfahrzeuggeneration der Bundeswehr

Ehingen/Düsseldorf (ww) Die Liebherr-Werk Ehingen GmbH, der Weltmarktführer bei Mobilkranen, hat Rheinmetall mit der Lieferung geschützter Fahrerhäuser und Krankabinen für die neue Kranfahrzeuggeneration der Bundeswehr beauftragt. So liefert Rheinmetall ab 2018 insgesamt 71 geschützte Fahrerhäuser und Kranbedienerkabinen für 38 neu entwickelte geschützte Mobilkrane G-LTM sowie 33 Exemplare des ebenfalls brandneuen geschützten Bergekranfahrzeugs G-BKF aus.
Die Fahrerkabinen bieten der Besatzung Schutz vor ballistischen, Minen- und IED-Bedrohungen und sind zudem mit einer ABC-Schutzbelüftungsanlage ausgestattet. Die Krankabinen bieten dem Kranbediener während der Kranarbeiten ballistischen Schutz. Beide Kabinen sind für G-LTM und G-BKF baugleich.
G-BKF der Bundeswehr (Foto: Liebherr/Rheinmetall)
Rheinmetall betont in seiner Pressemitteilung eine mehrfache Bedeutung des Auftrags. So handelt es sich um einen weiteren OEM Hersteller, der vom Geschäftsbereich Protection Systems mit integrierten Schutzlösungen beliefert wird. Das Vorhaben gilt darüber hinaus als Vorzeigeprojekt für die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Industrie und Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Dank integrierter Nachweisführung ließ sich ein sehr kurzer Entwicklungszyklus realisieren: Im Jahr 2013 startete das Projekt, 2016 wurde der Demonstrator fertiggestellt und 2018 beginnt die Auslieferung der ersten Serienfahrzeuge. Der Auftragswert für Rheinmetall liegt im zweistelligen Millionenbereich, die Kabinen werden bis 2021 ausgeliefert werden.
www.rheinmetall.com
www.liebherr.de

Alles im Kasten - Beaverfit realisiert Center for Urban Tactics and Climbing der Royal Marine Commandos

London (ww) Beaverfit hat für die Reserve der Royal Marine Commandos in London eine neuartiges Ausbildungszentrum realisiert: Das Center for Urban Tactics and Climbing, kurz CUTAC.
Auf Einladung der Briten und ihres deutschen Vertriebspartners Tacwrk konnte ich mir im Vorfeld der diesjährigen DSEI diese vielseitige Einrichtung anschauen.
Das vier Stockwerke hohe CUTAC ermöglicht es, über 20 verschiedene Zugangs-, Kletter- und Abseiltechniken auszubilden und zu trainieren. (Foto: JPW)
Ausgangspunkt des CUTAC war die Überlegung des seinerzeitigen Commanding Officer der „Capital’s Royal Marines Reserve“, Ed Moorhouse, die Ausbildungsmöglichkeiten seines Verbandes für urbane Kletter- und Kampftechniken zu optimieren. Je nachdem, ob urbane, Gebirgs- oder sonstige Kletterausbildung zu erfolgen hatte, fielen Reisekosten zu diversen Standorten an. Zudem war das Personal nicht in der eigenen Kaserne verfügbar, um andere Aufgaben wahrnehmen zu können. Möglicher Lösungsansatz: Schaffung eines entsprechenden Ausbildungszentrums in den Royal Marines Barracks Wandsworth – und zwar auf Containerbasis.

Donnerstag, 7. September 2017

Die Speerspitze - neues Sturmgewehr Grot und neue MAPA-Ausstattung für neue polnische Territorialverteidigungskräfte

Kielce, Polen (ww) Die polnische Waffenfabrik FB Radom hat vom Verteidigungsministerium ihres Heimatlandes den Auftrag zur Lieferung von 54.000 neuen Sturmgewehren Grot (“Speerspitze“) erhalten.
Mobile Territorialkräfte-Trupps präsentierten das neue Sturmgewehr GROT und die neue MAPA-getarnte Ausstattung auf der MSPO 2017 - hier vor dem Lynx KF31 in Schützenpanzervariante mit LANCE-Turm. (Foto: JPW)

Auf der Rüstungsmesse MSPO wurde am 6. September 2017 der seit Jahrzehnten größte Auftrag an FB Radom zur Lieferung von Handwaffen unterzeichnet. Damit kommt die einst unter dem Projektnamen "Modulowy System Broni Strzeleckiej" (MSBS, modulares Handwaffensystem) entwickelte Waffe nun endgültig in die Truppe. Bisher war nur die für Repräsentationszwecke ausgelegte Version für das Wachbataillon beschafft worden.

Samstag, 2. September 2017

9. Special Forces Workshop Güstrow - neues zu Taktik und Technik im Norden

Güstrow (ww) Neue terroristische Bedrohungen erfordern neue Taktik und Technik. Die diesjährige Ausgabe des wie gewohnt auf hohem Niveau gehaltenen Special Forces Workshops in Güstrow hielt wieder etliches neues zu Taktik und Technik parat.
Die neue Türöffnungsmunition Rheinmetall HEBE im scharfen Schuss. (Foto: JPW)
Unverändert hoch herrscht bei dem vom Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern, vom SEK Mecklenburg-Vorpommern und vom Baltic-Shooters Team um Frank Thiel organisierten Special Forces Workshop hoher Andrang. Das gilt sowohl teilnehmer- als auch industrieseitig. Alleine 52 Mannschaften aus dem Spezialeinheiten (SE)-Bereich reisten an. Dazu kamen noch weitere acht Teams von Unterstützungskräften und von der Bundeswehr. Neben deutschen waren Mannschaften aus Monaco, Österreich, Polen, der Schweiz und Tschechien dabei.

Freitag, 25. August 2017

Die nächste Generation - Glock Gen5

Deutsch Wagram (ww)Die österreichische Waffenschmiede Glock bringt die fünfte Generation ihrer weltberühmten Schlagbolzenschlosspistole heraus. In deren Konstruktion flossen die Erfahrungen des Unternehmens aus zwei US-Großvorhaben ein: die neue Dienstpistolenfamilie des FBI (19M und 17M) und das Glock 19 Modular Handgun System (MHS) der U. S. Army.
Glock 17 Gen5 und Glock 19 Gen5 (Foto: JPW)

Der S&T-Blog konnte  einen ersten Blick auf die Standardvariante Glock 17 Gen5 und die Kompaktversion Glock 19 Gen5 werfen. Zu den Modifikationen gehören eine verbesserte Oberflächenbeschichtung (nDLC-Finish), der neue Glock Marksman Barrel (hexagonales Laufprofil, Rechtsdrall, 250 mm Dralllänge), ein aufgeweiteter Magazinschacht, ein beidseitig bedienbarer Verschlussfanghebel sowie der Verzicht auf die Fingermulden am Griffstück. Die Zubringer der Gen 5-Magazine sind zudem orangefarben ausgeführt. Geblieben wiederum sind die bewährten, drei unabhängig voneinander arbeitenden Sicherungen: Fallsicherung, Schlagbolzensicherung und Abzugssicherung. Mehr zu den Waffen und wie sie sich auf dem Schießstand schlugen in der ES&T und demnächst in VISIER.
www.glock.at

Sonntag, 20. August 2017

Homburger Beitrag zur Bundeswehr-Traditionsdebatte

Bad Homburg v.d.H. (ww) Ja, der geneigte Leser hat richtig gelesen:  Dieser Beitrag zur Traditionsdebatte der Bundeswehr kommt aus Homburg und nicht aus Hamburg. Ich war selbst am 17. August 2017 auch gar nicht persönlich an der Führungsakademie der Bundeswehr in der stolzen und schönen Freien und Hansestadt, wo die Inhaberin der Befehls-und Kommandogewalt im Frieden den ersten Workshop zum neuen Traditionserlass der deutschen Streitkräfte veranstaltete.
Gleichwohl aber habe ich mitverfolgt, daß Frau Ministerin von der Leyen die Freiheitskriege als Startpunkt für die Bundeswehr-Tradition vorschlägt. Nun halte ich die Freiheitskriege für absolut traditionswürdig! Aber das ist eine andere Diskussion, die ich zu gegebener Zeit gesondert aufgreifen werde. Hier geht es hingegen um einen Beitrag aus Homburg, genauer gesagt Hessen-Homburg. Ich lege nämlich dar, warum ich als gelernter Kavallerieoffizier in meiner persönlichen Traditionspflege noch weiter als zu den Befreiungskriegen zurückgehe. So halte ich Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (1633 – 1708) für geradezu vorbildlich traditionswürdig!
Der Prinz von Homburg in der Schlacht bei Fehrbellin (Foto: JPW)
Friedrich diente als Kavallerieoffizier in verschiedenen europäischen Streitkräften. Das war für seinesgleichen in seiner Zeit nicht unüblich und könnte aufgrund des sich abzeichnenden Personalmangels in den Profiarmeen der EU möglicherweise bald wieder gängige Praxis werden (andere Diskussion). Er zeichnete sich dabei durch einen starken Willen aus. In schwedischen Diensten erlitt er beim Sturm auf Kopenhagen 1659 eine schwere Verwundung. Er verlor seinen rechten Unterschenkel. Der Legende nach soll er sich die letzten Sehnen sogar noch selbst durchtrennt haben.
Das konnte seinen Kampfgeist jedoch nicht schmälern. Mit einer Prothese leistete der kriegsversehrte Veteran weiter Dienst. Als General der Kavallerie wurde er 1672 sogar Befehlshaber des brandenburgischen Heeres. Im Dienst Friedrich Wilhelms von Brandenburg stehend gelang ihm wohl eine seiner herrlichsten Waffentaten. So griff er am 18. Juni 1675 eigenmächtig bei Fehrbellin die schwedische Nachhut an und verhalf in der folgenden Schlacht dem „Großen Kurfürsten“ zu einem glänzenden Sieg.
Das "kleine Denkmal" bei Hakenberg erinnert noch heute an Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg und weitere Mitstreiter. (Foto: JPW)
Dieser gilt sogar als Geburtsstunde für die Größe Preußens (wobei man über die Glorfizierung Preußens durchaus geteilter Meinung sein kann – wieder eine andere Diskussion). Immerhin trug in der "Alten Armee" das Husarenregiment Nr. 14 (2. Kurhessisches) den Ehrennamen "Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg".
Husaren des Husarenregimnets Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. Kurhessisches) Nr. 14 (Foto: HR14)
Neben den militärischen Tugenden wie Tapferkeit, Initiative und Beharrlichkeit sprechen aber noch weitere gute Gründe für seine Traditionswürdigkeit. 1681 übernahm Friedrich II. die Herrschaft in Hessen-Homburg. Während seiner Regierungszeit nahm er in seiner Landgrafschaft viele Schutzsuchende auf – vor allem aus dem katholischen Frankreich vertriebene protestantische Waldenser und Hugenotten. „Lieber will ich mein Silbergerät [seine durch den Holfalchimisten Paul Andrich geschaffene, sehr wertvolle Beinprothese] verkaufen, als diesen armen Menschen keine Zuflucht zu gewähren“, wird er zitiert. Natürlich folgte er dabei einer humanistischen Motivation. Er hatte aber ebenso das Wohl seines Landes im Blick. So profitierte die durch den 30jährigen Krieg mitgenommene Grafschaft von der durchaus interessengeleiteten Einwanderung, denn die Schutzsuchenden brachten Handwerk und zahlreiche Fachkenntnisse mit. Die die nach dem „Landgrafen mit dem Silbernen Bein“ benannte Stadt Friedrichsdorf ist bis heute für ihren Zwieback weltbekannt.
Der „Prinz von Homburg“ erweist sich also nicht nur als vorbildlicher Soldat, sondern auch als weitsichtiger Staatsmann als traditionswürdig.

Jan-Phillipp Weisswange